Der Ausschuss für Mutterschutz hat eine Positionspapier verfasst, welches sich mit dem Umgang von berufstätigen Schwangeren bezüglich einer eventuellen Coronainfektion befasst. Ein Beschäftigungsverbot (BV) allein wegen der Coronapandemie auszusprechen, ist unseres Erachtens nicht legitim, auch nicht bei Lehrerinnen. Es MUSS vom Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung erfolgen mit dem Ziel, bei eventueller Gefährdung der Schwangeren den Arbeitsplatz umzugestalten. Erst wenn dies nicht möglich ist, kann ein BV vom Arbeitgeber (NICHT vom Frauenarzt!) erwogen werden.

Im Folgenden einige interessante Ausszüge aus diesem Positionspapier:

„Nach bisherigen Erkenntnissen haben Schwangere kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. SARS-CoV-2-Inffektionen mit der seit Januar 2022 dominanten Omikron-Variante verlaufen im Allgemeinen und vor allem bei Geimpften vergleichsweise mild, häufig auch asymptomatisch. Dies gilt auch für Schwangere [1,3,4,5,9,12]. Die bisherigen Impfstoffe bieten keinen sicheren Schutz vor Infektionen mit der Omikron-
Variante, jedoch einen guten Schutz vor schweren Erkrankungsverläufen. Bei der bis 2021 vorherrschen
den Delta-Virusvariante, hatten sich im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft dagegen schwere, auch tödliche Erkrankungen gezeigt (RKI, 21.12.21). Bislang gibt es keinerlei Hinweise auf virusspezifische embryotoxische oder fetotoxische Wirkungen“

„Das Tragen einer FFP2-Maske ist ein wirksamer Infektionsschutz auch für schwangere Frauen und ist bei leichten und mittelschweren körperlichen Tätigkeiten keine Belastung im Sinne § 11 Abs. 5 Nr. 7 MuSchG, da das Tragen das Herz-Kreislaufsystem nicht beansprucht (siehe Hintergrundinformationen) . Die Arbeitsbedingungen sollten für alle Arbeitnehmer und damit auch für Schwangere so gewählt wer
den, dass ein dauerhaftes Tragen einer FFP2-Maske nicht notwendig ist, ….
. Darüber hinaus muss im Sinne § 9 Abs.3 MuSchG für Schwangere sichergestellt werden, dass ein Raum vorhanden ist, der es ermöglicht, die FFP2-Maske ohne Risiko für eine erhöhte Infektionsgefährdung abzusetzen. Hierdurch können weiteren Effekten des Tragens einer FFP2-Maske wie Wärmegefühl, Juckreiz etc. begegnet werden.“

„Die Belastung durch Aerosolpartikel wird für die Referenzsituation „Schulstunde“ auf Basis eines Raumvolumens von 200 m³,
einer Luftwechselrate von 4,4/h, einer Aufenthaltsdauer von 60 M inuten und der Anwesenheit von 25 Personen, die sitzen oder stehen und von denen eine Person aktiv spricht, berechnet. Der resultierende Volumenstrom entspricht ei
nem personenbezogene n Außenluftvolum enst ro m von 35 m³/h/Person, welcher auf dem empfohlenen personen- und flächenbezogenen Luftstrom der Kategorie II nach DIN EN 15251 basiert. In der Referenzsituation liegt das Infekti onsrisiko im statistischen Mittel bei Anwesenheit einer infizierten Person bei 1 %. Dieser Wert muss in Relation zur Wahrscheinlichkeit gesehen werden, dass überhaupt eine infizierte Person anwesend ist. Dieses Risiko hängt von der Inzidenz der Erkrankung in der Allgemeinbevölkerung ab. Schätzt man dieses Risiko auf 3 %, beträgt die Wahrscheinlichkeit eine infizierte Person anzutreffen und sich bei dieser Person zu infizieren 0,03 % (Multiplikation der Einzelwahrscheinlichkeiten).